MamaniFlora

Die Angst vor den Wildpflanzen

5.März, 2018 4 Comments

Vor ein paar Tagen habe ich die ersten zarten Bärlauchblätter gesehen… Juhui bald ist wieder Bärlauch sammeln angesagt!

Ich erinnere mich daran, wie ich das erste Mal Bärlauch gesammelt habe. Der ganze Wald war voller Bärlauch und ich habe eine ganze Tüte dieser kraftvollen Pflanze gesammelt. Das Waldmädchen in mir hat gejubelt und ich bin mir ganz abenteuerlich und selbstversorgermässig vorgekommen. Zuhause habe ich jedes Blatt einzeln gewaschen (von wegen Fuchsbandwurm und so) und ein paar Gläser Bärlauchpesto eingemacht.

Ich habe mich dann aber nicht getraut sie zu essen…Ich hatte solche Angst, dass ich nicht doch versehentlich ein giftiges Maiglöckchen- oder Herbstzeitlosenblatt dazu gesammelt habe. Das Pesto ist auf den Kompost gewandert…

So ging es mir übrigens noch mit ein paar anderen Pflanzen. Die Angst etwas giftiges zu sammeln, war tief in mir drin. Wie allen Kindern wurde mir eingeschärft, dass man keine Vogelbeeren essen darf. Vogelbeeren waren ein Sammelbegriff für alle wilden Beeren.
Versteht mich richtig, ich finde es wichtig, dass Kinder nicht einfach irgendwelche Beeren und Pflanzen pflücken und essen. Und von dem her war es schon richtig, wurde ich vor den giftigen Beeren und Pflanzen gewarnt.
Aber in mir hat sich eine sehr grosse Unsicherheit aufgebaut. Für mich war alles nicht essbar. Und es dauerte eine Weile bis ich mich daran gewöhnt hatte, dass die wenigsten Pflanzen wirklich giftig sind. Die Wiesen und Wälder sind voller essbarer Wildpflanzen, die für uns Menschen besonders wichtig sind. Ihr Gehalt an Mineralien und Spurenelementen ist viel grösser als in unserem Gartengemüse.

Heute habe ich überhaupt keine Angst mehr Bärlauch oder Vogelbeeren (die Beeren der Eberesche) zu sammeln, trocknen oder einzumachen. Ich habe die Pflanzen näher kennengelernt, eine Beziehung zu ihnen aufgebaut und viele Erfahrungen mit ihnen gesammelt. Ich kann sie nicht verwechseln und schon gar nicht, wenn ich während dem Sammeln aufmerksam bin.
Ich glaube gerade diese Beziehung aufbauen ist sehr wichtig. Dieses Vertrauen in die Pflanzenwelt und sich selber.

Noch heute wenn ich neue Pflanzen sammeln möchte, bin ich sehr vorsichtig. Und prüfe wohl mehr als nötig, ob ich jetzt wirklich die richtige Pflanze vor mir habe. Ich würde nie etwas sammeln, was ich nicht kenne oder ganz sicher bestimmen kann.

Ich freue mich schon sehr auf den Frühling und all die Pflanzen die er mitbringt.

Mamani Flora

4 Comments

  1. Antworten

    Kräuterfrau

    8.März, 2018

    Liebe Nicole, wo wohnst du, dass schon der Bärenlauch aus dem Winterschlaf erwacht?
    Hier ist noch alles erstarrt. Die erfrorenen Schneeglöckchen richten sich allerdings zaghaft auf.
    Mit Bärlauchsammeln und dem wilden Schnittlauch beginnt das Kräuterjahr.
    Die berühmte Frankfurter grüne Soße, pünktlich an Gründonnerstag gereicht, bekommt bei mir alles , was die Wiese hergibt: Giersch, Schabockskraut, Pimpinelle, Gundermann, Sauerampfer und und und….
    Viel Freude beim Schwelgen in der Natur wünsche ich dir.
    Und wirklich wichtig: bei Kindern (und allen anderen) Es wird nichts in den Mund gesteckt, was Mama vorher nicht abgesegnet hat!
    Einen schönen Frühlingsmärz wünscht die Kräuterfrau.

    • Antworten

      Mamani Flora

      11.März, 2018

      Den Bärlauch habe ich hier noch nicht entdeckt. Bei meinen Eltern, in der Nähe von Zürich, wächst er bereits am Bach entlang.
      Vielen Dank für die lieben Wünsche. Auch ich wünsche dir ein schönes Frühlingserwachen und Kräuter sammeln. Liebe Grüsse, Nicole

  2. Antworten

    Frau Kirschkernzeit

    10.März, 2018

    Ich muss zugeben, dass auch ich meinen Kindern einbleue, nichts zu essen, was ich nicht vorher gesehen habe. Lieber im Zweifelsfalls einmal was Gutes verpassen als etwas Gifitges erwischen. Wir können unsere Augen ja nicht überall haben, da ist es mir wichtig, dass ich den Kindern vertrauen kann in diesem Punkt. Aber ich verstehe, was du sagen wolltest; wie überall muss man irgendwann den Schritt ins Erwachsensein machen, die alten fremdgesetzten Grenzen bewusst betrachten und dort überschreiten, wo man sich sagen kann, dass man weiss, was man tut und die Folgen abschätzen kann. Dieses Erwachsenwerden dauert wohl ein Leben lang. Die alten Grenzen waren deshalb nicht unbedingt schlecht, meistens hatten sie einen guten Grund und waren dazu da, uns sicher und gesund zu erhalten, doch es kommt der Moment, wo sie nicht mehr wichtig sind. Oder sogar hinderlich. Ich freue mich für dich, dass du jetzt schon so viel Grün um dich hast!
    liebe Grüsslis
    Bora

    • Antworten

      Mamani Flora

      11.März, 2018

      Liebe Bora. Ich habe meinen Kindern auch eingebläut, dass sie mich zuerst fragen müssen, bevor sie etwas essen. Ausser bei solchen Pflanzen die sie schon ganz lange und sehr gut kennen, wie Löwenzahnblätter oder Gänseblümchen. Ich bin auch der Meinung, lieber etwas Gutes zu wenig, als etwas giftiges zu viel.
      Ja, die alten Grenzen waren bestimmt nicht schlecht. Und ich mache da Niemanden einen Vorwurf. Schliesslich kann ich von meinen Eltern nicht erwarten, dass sie meine Leidenschaft für die Pflanzenwelt vorausgesehen hätten und sich auf diesem Gebiet gebildet hätten, um mir den Weg zu ebnen 😉 Jedes Hindernis hilft einem gewisse Eigenschaften besonders heraus zu bilden. Und ist immer auch eine wunderbare Chance.
      Genauso wie Grenzen überwinden und verschieben. Danke für deine Worte
      (Ich habe noch lange nicht so viel grün um mich, das Foto ist vom letzten Frühling 😉 )

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